Erziehung ist kein Kinderspiel

Erziehung ist kein Kinderspiel: Erziehungsfeigheit mögen Kinder nicht.

Wer ein Auto lenken will, muss vorher in einer nicht leichten Prüfung nachweisen, dass er in der Lage ist, ein Fahrzeug sorgsam zu führen. Durchfallquote bei ca. 25 Prozent! Wer eine Familie gründen und Kinder erziehen will, darf dieses ohne jedes Examen, ob er es kann oder nicht. Ich weiß natürlich, dass man daran nichts ändern kann, doch einige Hilfen für das rechte Miteinander zwischen Eltern und Kindern will ich geben:
1. Das Kind hat drei Orientierungswünsche: als Kleinkind und im Vorschulalter will es wissen und erfahren: Wohin gehöre ich?
Als Schulkind möchte es die wechselnde Zugehörigkeit zum Elternhaus und zur Schulwelt austarieren und selber erkunden und erleben, wie es seine Interesse und Zugehörigkeit zwischen beiden Bereichen verteilen kann.
Ab der Pubertät strebt es danach, eine Antwort auf die Frage zu erhalten: Was ist der Sinn gerade meines Lebens? Wozu lebe ich? diese Phase ist mit einer Ablösung von der elternzentrierten Umwelt verbunden.
2. Es ist unsinnig, die Erziehungsaufgabe der schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen der Schule aufzuhalsen. („Die wird mit dem Gör schon fertig werden. Ich gebe ihm ja schon Geld genug!“). Die Schule ist Partner der Erziehung im Elternhaus. Aber nie ihr Ersatz!
3. Ich wünsche mir aber auch keine gouvernantenhaften Eltern, die ihr Kind gängeln und nicht selbstständig werden lassen. - Es gibt auch Erwachsene, die sich durch das Kind verwirklichen suchen. In ihm sollen die eigenen Träume von der vergangenen Kindheit erfüllt werden. Das ist die Gefahr, in der auch intakte Elternhäuser christlicher Prägung stehen. Das Kind hat aber ein Recht auf eigene unvertauschbare Lebensziele.
4. Es ist die Aufgabe der Eltern, stets zur Partnerschaft bereit zu sein. Dabei wird es notwendig werden, von der eher anweisenden Haltung im Grundschulalter stufenlos zu einem zunehmenden Geleit überzugehen. Eltern müssen sich immer mehr zurücknehmen. Erzieher müssen auch hier und da ein Risiko eingehen, das nachweist, wie weit bisherige Erziehung dauerhaft wirksam geworden ist. Vorbilder, Berater und Förderer, manchmal auch Warner sollten Eltern bei den älteren Jugendlichen sein. Aber nie ständige Nörgler.
5. Dabei darf dies nicht mit einer Zustimmung zu allen Unarten verwechselt werden. Erziehungsfeigheit mögen Kinder nicht. Sie suchen unbewusst den, der ihre Grenzen (in Liebe, aber konsequent!) markiert. Junge Leute wollen sich nun einmal gelegentlich an ihren Eltern reiben. Die Spannung zwischen den Bibelworten „Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn!“ und „Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn!“ (Epheser 6, 1 und 4) bleibt während der ganzen Erziehungszeit bestehen und gültig.
6. Eltern sollen den Unterschied zwischen sexueller Aufklärung und geschlechtlicher Erziehung bedenken. Wer nur aufklärt, handelt wie der Autor eines ,,Spiegel-Artikels”: ,,So ist die bisher verborgene Sache. Nun weißt du es! Und weil du es jetzt kennst, brauchen wir nicht mehr darüber zu reden.” Geschlechtliche Erziehung begleitet das Kind von klein auf bis zur Reife. Eltern weichen Gesprächen über Sexualität nicht aus. Sie stehen mit Hilfe zur Seite. Wenn sie selber gerade keine Antwort wissen, holen sie sich Auskunft bei Bekannten oder in einem christlich geprägten sexualpädagogischen Buch. Christliche Buchhandlungen und Büchertische nennen erprobte Titel.
Übrigens: Die Hauptaufklärer der jungen Leute über 10 sind heute Jugendzeitschriften wie „Bravo“. Jeder zweite Jugendliche liest sie und glaubt ihnen. Gerade christliche Eltern sollten sich solch eine Zeitschrift einmal kaufen. Sie werden rote Ohren bekommen, wenn sie lesen, was ihren Kindern da empfohlen wird. Und sie sollten Antworten aus christlicher Sicht zur Verfügung haben.
7. Christliche Eltern wissen um ihre eigene Schuld und Sünde. Daher sind sie nicht erstaunt, wenn beides auch im Leben ihrer Kinder anzutreffen ist.
8. Sie wissen aber auch von Gnade und Vergebung. Ihnen ist durch Jesus Christus vergeben worden. Deshalb erziehen sie auch als Menschen, die Gnade und Vergebung empfangen haben. Sie sind nicht nachtragend.
9. Auch bei Schulschwierigkeiten handeln sie aus ihrer christlichen Grundüberzeugung heraus: Die Liebe zum Kind darf beispielsweise nicht von guten Schulzensuren abhängen. Gerade leistungsschwache Kinder (ich meine nicht die zeitweise faulen) benötigen manchmal mehr Trost als Forderung und Schelte.
10. Eltern (und Lehrer) sollten den Kindern nicht nur sagen, was sie nicht tun dürfen. Sie sollten ihnen vielmehr Betätigungsräume aufzeigen, die von den jungen Leuten als wertvoll empfunden werden.
11. Wie schön, wenn wir Eltern vor Gott einmal so sprechen könnten, wie es in Jesaja 8,18 geschrieben steht: „Siehe, hier bin ich und die Kinder, die der Herr mir gegeben hat.”
(Professor Dr. Gottfried Schröter in: „Sexualethik und Seelsorge“ IV/95)

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